Ich fühle – My SundaySpotlight #13

Ich fühle

“Ich fühle mich schlecht.”

“Ich habe Angst.”

“Ich bin wütend.”

So denken oder sagen wir, was wir fühlen. Und damit identifizieren wir uns mit unseren Gefühlen. Bei “Ich bin wütend.” ist es klar erkennbar, dass dieser Zustand gerade 100%ig meine Identifikation ist.

Aber auch “haben” erzeugt Identifikation. Ich habe ein tolles Auto. Zeigt klar meinen Besitz an. Und Angst haben ist dann logischerweise auch Besitz.

Im Zuge von Kommunikationsregeln – z.B. der “Ich-Botschaft” haben wir gelernt, von sich selber, seinen eigenen Wahrnehmungen, Gefühlen, Bedürfnissen… auszugehen.

Dahinter steht, dass Wahrnehmungen, Gefühle… rein subjektiv sind. Spreche ich von meinen Wahrnehmungen, dann sind sie für mich richtig und das Gegenüber muss sie so akzeptieren. Und darf im Gegenzug selbstverständlich eine völlig andere Wahrnehmung haben.

In dieser Art und Weise funktioniert es auch genauso, wie es gedacht ist.

Wir wissen, Wahrnehmung ist subjektiv. Wenn ich jetzt A wahrnehme und du B, dann liegt beides auf dem Tisch und wir können schauen, wie es dazu gekommen ist. Vielleicht finden wir über den gemeinsamen Austausch die Ursache und sehen nun beide C. Oder aber, wir stellen fest, dass wir nicht herausfinden können, wo der Unterschied liegt. Da jeder in seiner subjektiven Wahrnehmung recht hat: kann man es einfach so stehen lassen. Es muss nicht um die einzig wahre Wahrheit gekämpft werden.

Blöd jetzt nur, wenn ich mein wahrgenommenes Gefühl bin. Dann wenn du jetzt was anderes fühlst, dann BIN ich mindestens anders – im Zusammenhang mit dir.

Evolutionär sind wir Menschen zum Überleben dringend aufeinander angewiesen gewesen. Ein Ausschluss aus der Gemeinschaft bedeutete in der Regel den sicheren Tod. Das sieht zwar heutzutage etwas anders aus – man kann auch ohne Beziehungen physisch ganz gut überleben, aber…

…die Psyche kann ohne zwischenmenschliche Beziehungen nicht gesund bleiben. Sehen und merken wir gerade in der Zeit steigender Zahlen und wieder mehr Social Distancing.

Ich z.B. habe nach dem Lock-Down und als die Zahlen wieder gut gesunken waren, mein ganzes Jahresbudget für “Auswärts Essen gehen” bis Mitte September ausgegeben. Eigentlich war ich nur draußen, immer mit Abstand und immer nur in Aussengastros, die die Regeln gut umgesetzt haben. Damit ich nachholen konnte, was mir im Lock-Down verloren gegangen war und so viel “Soziale Kontakte” – in meinem Fall einfach Menschen in meiner Nähe haben – sammeln konnte wie geht.

Weil: ich schon im Lock-Down Angst vor der Herbst/Winter-Saisson 2020/2021 gespürt habe. Und den Herausforderungen, die reduzierte soziale Kontakte so mit sich bringen. Und ich bin übrigens jemand, der gut mit sich sein kann.

Zurück zu der Notwendigkeit, soziale Kontake, zwischenmenschliche Beziehungen und die Krux, anders zu sein, als das Gegenüber.

Ich BIN also mein Gefühl, das heisst, ich verbinde mich mit dem Gefühl. Mein Gegenüber hat sich auch mit seinem Gefühl verbunden. Nun haben wir den Salat. Ich möchte nicht anders sein, mein Gegenüber möchte nicht anders sein. Damit wir in der Gemeinschaft bleiben können.

Was jetzt? Jetzt startet häufig der Kampf: Wer hat recht.

Was wäre passiert, wenn ich nicht das Gefühl X habe, sondern wenn ich das Gefühl X spüre?

“Ich spüre Angst.”

“Ich spüre Hunger.”

“Ich spüre Wut.”

In diesem Fall ist es eine Wahrnehmung. Wenn ich es so formuliere, dann formuliere ich, was ich wahrnehme. Wäre es etwas, was man sehen könnte, dann würde ich nur beschreiben, was ich sehe. Also eine Beobachtung.

Die Beobachtung ist neutral. Sie ist nicht gut und nicht schlecht.

Wenn ich jetzt formuliere, dass ich Angst spüre – so wie ich bei der Herbst/Winter Saisson 2020/2021, dann kann ein Gespräch darüber stattfinden. Ohne, dass dabei gekämpft werden muss.

Du könntest jetzt zum Beispiel fragen, wie stark das Gefühl der Angst ist.

Da muss ich mal kurz in mich reinschauen…

Ah – im Moment spüre ich eine kleine Angst. Aber ich spüre dahinter auch die Anstrengung, die die kommende Saisson vielleicht mit sich bringt….

Und so kannst du dich und dein Gegenüber vielleicht etwas besser kennenlernen.

Und wenn du die Angst, das Unbehagen, die Ungeduld… nur spürst, dann bist du nicht: ängstlich, wütend, ungeduldig.

Fühlt sich gut an?

Ich finde schon.

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Ich freue mich auf dich,
Herzlichst,
Melanie

 

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